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BambusIn seinem fabelhaften Buch "Die Stimmen von Marrakesch" (1954) erliegt Elias Canetti der Faszination durch die Sprache: "Ich wollte nichts von der Kraft der fremdartigen Rufe verlieren. Ich wollte von den Lauten so betroffen werden, wie es an ihnen selber liegt, und nichts durch unzulängliches und künstliches Wissen abschwächen."

Diese unverstellte Neugier des Schrifstellers läßt sich nicht 1:1 mit den Interessen eines Audio-Künstlers in Deckung bringen, zumal wenn dieser verneint, mit Klängen ein Bild des Landes zeichnen zu wollen. Vor der Wahl des richtigen Mikrophones stand gleichwohl- wie damals bei Canetti - die Neugier, das Staunen, die Überraschung durch das Fremde. Das beginnt beim Verkehr und endet nicht bei den Rufen der Blinden, die Canetti ein ganzes Kapitel wert waren und die auch heute noch als mitunter regelrechte Sänger den Klangsammler auf ihre Fährte locken.

IbisseÜberhaupt die Sprache: ob Arabisch oder Berberisch, ob im Taxi oder auf der Djema el Fna, beim Anpreisen der Waren oder herab von den Minaretten - sie schlägt den Hörer in ihren Bann.

Dazu die Schmiede und andere Handwerker in den Souks von Marrakesch, die Menschenströme in den Medinas, die langgezogenen Signale der Züge, die Störche in der Ruinenstadt Chellah von Rabat, das Knarzen eines Bambus-Wäldchens, die Glöckchen der Wasserverkäufer - Elemente des Soundscape, der Klanglandschaft von Marrakesch und Rabat, die nun als Folie und Bindeglieder für Norbert Steins Pata Masters dienen.

Wie Canetti seinerzeit aber nicht in die Rolle des Reiseberichterstatters schlüpfte, so versteht Michael Rüsenberg seine Arbeit nicht in einem dokumentarischen, sondern in einem ästhetischen Sinne. Der reine, unverfälschte Klang findet darin ebenso seinen Raum wie seine Transformation bis ins Unkenntliche.

Text von M. Rüsenberg

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Pressestimmen:

Der Kölner Komponist, Saxophonist und Pata Master Norbert Stein stellt die klanglichen Ergebnisse seiner Marokkoreise vor

Irgendwann, vor etwa 10 Jahren, wurde Norbert Stein der Begriff Jazz zu eng. Seitdem widmet sich der ehemalige Saxophonmafioso ausschließlich seinen eigenen Projekten. Die liefen schon damals unter dem ungewöhnlichen Namen Pata: Pata Orchestra, Pata Horns, Pata Masters, Pata Bahia
Er ließ stets offen, was damit gemeint ist. Und genau das ist der Punkt: Diese Projekte zeichnen sich durch musikalische (Welt-) Offenheit aus. Obwohl es ein Grundgerüst gibt, dass man ganz grob als idiosynkratische Symbiose aus Komposition und Improvisation, aus atomaren Melodien und pulsierenden Rhythmen bezeichnen kann, ist es immer wieder überraschend, welche Wendung die Pata Musik nimmt.
Pata Maroc, so der Name des jüngsten, gerade auf CD veröffentlichten Projektes, steht dafür exemplarisch, ist vielleicht sogar die bis jetzt überzeugendste musikalische Fusion aus Zutaten, die scheinbar unvereinbar sind. Die Geschichte ist ganz einfach: Norbert Stein und der Journalist und Klangreporter Michael Rüsenberg wurden dieses Jahr vom Goetheinstitut eingeladen, auf einem großen Jazzfestival in Marokko ein Projekt zu präsentieren. Das Festival verfolgt das Ziel, europäische und afrikanische Improvisatoren in gemeinsamen Konstellationen jenseits von Folklore- und Improvisations-Klischees vorzustellen - was natürlich für ein vorbehaltlos agierendes Projekt wie das von Stein ideal war. Nicht umsonst heißt eine seiner besten Kompositionen "Parliament of Music".

Rüsenberg steuerte Soundscapes aus den Städten Rabat und Marrakesh bei, die von Stein am Computer verfremdet wurden. Außerdem luden die Pata Masters Rachid Zeroual ein, einen Flötisten aus dem königlichen marokkanischen Orchester.

Obwohl sich Zeroual mit Leichtigkeit und großer lyrischer Fantasie in die komplizierte Musik einbrachte, ist es vor allem der offensive Einsatz von Elektronik, der am meisten überrascht: "Die Elektronik ist für mich im Augenblick das ästhetische Element, was am meisten mit zeitgenössischen Möglichkeiten in der Musik zu tun hat. Diese amorphen Strukturen, die die Elektronik ermöglicht, sind für mich nah an den Rhythmen, die die Soundscapes aus den Städten dokumentieren und die mich als Komponisten auch immer interessiert haben. Genauer gesagt: Mich interessiert bei der Elektronik weniger die Rhythmik, sondern die Klangflüsse, diese unterschiedlichen Dynamiken, die man übereinander lagern kann."
Stein versteht es, auf souveräne Weise mit der Elektronik umzugehen. In die aufgewühlte Soundmasse lässt er den Flötisten hineinspielen, schafft dadurch einen Kontrast, der nur vordergründig einer ist. Er staut die Klänge auf, provoziert eine Spannung, die sich dann plötzlich in einem atonalen Drum'n'Bass-Track auflöst. Nur, dass dieser live von drei Perkussionisten getrommelt wird. »Elektronische Musik hat, wenn man sie nicht auf den Beat spielt, sehr spezielle Entwicklungsabläufe: Klangschichtungen, Mehrdimensionalität etc.. Und mich interessiert es, die Verbindung zur "normalen" Melodie, zu meiner Musik hinzubekommen. Bei ihr denke ich immer, dass sie die Fähigkeit haben muss, einen mitzunehmen. Man muss mitströmen können. Rhythmus ist da definitiv der Schlüsselpunkt. Um ein anderes Bild zu wählen: Rhythmus ist die Erde in den Händen."

Felix Klopotek / Kölner Stadtrevue

Norbert Stein - Saxophon, Elektronik
Rachid Zeroual -
Nei, Kawala (orientalische Flöten)
Han Buhrs -
Stimme, Elektronik
Michael Heupel -
Flöten, Sub-Kontra-Bassflöte
Klaus Mages -
Schlagzeug, Percussion
Christoph Hillmann -
Schlagzeug, Elektronik
Matthias von Welck -
Bass-Schlitztrommeln, tiefes Schlagwerk
Michael Rüsenberg -
Soundscapes

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